Evangelische Gemeinschaft Marburg-Süd

---

Grafische Elemente von
samdre grafics
webdesign
Technische Umsetzung von Martin Stut

Angedacht

Full house

Haben Sie schon mal gepokert? Nein? Ich schon. Liegt zwar schon einige Jährchen zurück, aber ich kann mich noch gut daran erinnern. Unser Poker damals vor knapp 40 Jahren lief anders als das Pokern heute im Fernsehen. Jeder, der pokert, braucht natürlich ein Pokerface (undurchschaubare Mimik), damit der Gegner nicht weiß, welche Karten man auf der Hand hat, wenn man in die Vollen oder auf den ganzen Pott geht (das Geld, das bis jetzt in der Mitte des Tisches liegt und an den Gewinner geht). Komisch, dass ich daran erinnert wurde, als ich einen Beitrag für den Gemeindebrief schreiben sollte.

Wie kam ich dazu? Ich dachte über den ganzen Reichtum Gottes nach, der für uns als Gemeinde im Haus des himmlischen Vaters bereitliegt. Dort ist wirklich „full house“ (volles Haus). Berge von Geschenke stapeln sich dort. Und das Außergewöhnliche dabei ist: Jedes Geschenk, das dort unter unserem Namen gelagert ist und abgeholt wird, wird mit einem oder mehreren neuen Geschenken ersetzt (Matthäus 13,12; 25,29; Joh. 1,16). Das steht sogar in der Bibel und diese Weisheit kommt aus dem Mund Jesu. Und der sollte es ja schließlich wissen.

Woran erkennt man nun diejenigen Christen, die ständig ein „full house“ auf der Hand haben? Na klar, am Konto, dem Achtzylinder vor der Gemeinde – und sie fahren 3-4 mal im Jahr in den Urlaub, Entschuldigung: sie fliegen natürlich. Ihre Strandvilla, ihr Boot erwarten sie dort. Sie kennen das ja aus der Werbung: „Mein Haus, mein Boot, ...“

Nur zu dumm, dass das bei Paulus anders lief. Er muss wohl wirklich nicht gerade der Gesegnetste gewesen sein. Und mit seiner Sprachbegabung haperte es ja auch bei ihm. Und wenn man dann noch hörte, dass er als Christ mehrere Jahre im Gefängnis saß und zudem noch unheilbar? krank war – na dann ist wohl jedem klar, dass das nicht das erstrebenswerte Vorbild für uns heute sein sollte. Oder?

Dazu schrieb er noch Verse, die wohl mehr eine kaum zu verstehende Paradoxie aufwiesen:

„als Unbekannte und Wohlbekannte; als Sterbende, und siehe, wir leben; als Gezüchtigte und doch nicht getötet; als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und doch alles besitzend“ (2.Kor 6,9-10).

Ob der Mann wirklich ein „full house“ hatte, Triumphkarten von denen wir vielleicht gar nichts wissen oder nur wenig ahnen? Einen Zugang in die Schatzkammern Gottes? Gehörte er etwa zu denen, die nichts besaßen und doch alles im Überfluss hatten, was als Nachfolger Jesu und Weltmissionar unbedingt benötigt wird?

Wie erleben wohl Besucher unsere Gemeinschaft in Marburg-Süd? Wie erleben wir selbst unsere Gemeinde? Als full house (diesmal meine ich nicht die besetzten Stühle)? Kommt noch etwas vom Reichtum unseres himmlischen Vaters rüber, von dem wir ja alle wissen und wohl auch reden könnten? Und wie es bei mir persönlich aus, wenn Leute voller Not und Verzweiflung zu mir kommen? Erleben sie ein full house oder ist bei mir geistliche Insolvenz angesagt?

Lasst uns für unsere Gemeinde beten, dass sie ein „volles Haus“ wird, voll von Gott selbst. Alles andere regelt sich dann schon. Haben wir ansonsten noch eine Berechtigung, uns als Gemeinde Gottes zu bezeichnen?

Herzlichst
Ihr Helmut Blatt